11. Februar 2024

Chinesischer Prinz in der Grube Gerhard

 


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Prinz Tschun, auch bekannt als Zaifeng oder Prinz Chun II., war eine bedeutende Persönlichkeit im späten Kaiserreich China. Er war der Vater des letzten chinesischen Kaisers Puyi und diente von 1908 bis 1911 als Regent der Qing-Dynastie. Im Jahr 1901 spielte Prinz Tschun eine zentrale Rolle in der sogenannten "Sühnemission" ins Deutsche Reich, die eine Folge der Niederschlagung des Boxeraufstands durch westliche und japanische Truppen war. Diese Mission war eine direkte Reaktion auf die Ermordung des deutschen Gesandten Clemens von Ketteler in Peking, was zu internationalen Spannungen und militärischen Aktionen gegen China führte. Die Bezeichnung "Sühnemission" bezieht sich auf die diplomatische Entschuldigung und die Bemühungen Chinas, die durch den Boxeraufstand verursachten Spannungen zu mildern. Prinz Tschun, der als ranghöchster Vertreter Chinas agierte, musste sich im Rahmen dieser Mission demütigenden Bedingungen unterwerfen, was in der deutschsprachigen Öffentlichkeit zu seiner spöttischen Bezeichnung als "Sühneprinz" führte. Diese historisch bedeutsame Mission markierte einen kritischen Moment in den sino-deutschen Beziehungen und spiegelte die geopolitischen Machtverhältnisse der Zeit wider​​​​. Nach diesen "diplomatischen" Akt wurden der Prinz und dessen Gefolge durchaus als Gäste behandelt, denen im Folgenden sowohl die Sehenswürdigkeiten in Berlin wie auch verschiedene deutschen Städte gezeigt wurden. So reiste die chinesische Delegation am 25. September 1901 über Koblenz nach Saarbrücken, wo diese im Hotel "Rheinischer Hof" abstiegen. Am 26. September 1901 besuchten sie dann die Grube Gerhard in Obervölklingen. Für die Bevölkerung des Saargebietes war dieser Besuch natürlich ein außergewöhnliches Ereignis.

„Seit zwei Tagen hatte man auf dem Josepha-Schacht der Grube Gerhard alles festlich geschmückt und die notwendigen Vorbereitungen zu dem Prinzenbesuch getroffen. Auf dem mit Fahnen und Girlanden reich geschmückten Zechenplatz hatten zahlreiche Beamte von sämtlichen Gruben des Saarreviers mit der Inspektionsfahne und der Bergkapelle der Grube „Gerhard" Aufstellung genommen, eine Ovation, die den Beifall der fremdländischen Gäste zu finden schien. Zum Transport der Gäste unter Tage hatte man eigens einen Grubenwagen gebaut, den man mit Sackleinen auspolsterte. In diesem sonderbaren Wagen beförderte man die Gäste in tiefer Erde bis nach Püttlingen, wo die erlauchte Gesellschaft durch den Viktoria-Schacht wieder ausfuhr. Die Bergkapelle, die eben erst bei der Einfahrt am Josepha-Schacht aufgespielt hatte, war bereits bei der Ausfahrt wieder zur Stelle, um die Gäste nach glücklich überstandener Grubenfahrt zu begrüßen. Im Beamtenkasino der Grube Viktoria vereinigten sich dann sämtliche Teilnehmer der Fahrt zu einem Imbiß. Und nachmittags, gegen 15 Uhr, bestiegen Prinz Tschun und sein Gefolge wieder ihre Wagen, um die Weiterfahrt anzutreten. Der Wagen des Prinzen aber wurde durch eine Abteilung der Saarbrücker 7. Dragoner eskortiert." - Buchleitner, Hans Peter: Völklingen. Vom Königshof zur Hüttenstadt, Saarbrücken 1950. Foto: Stadtverwaltung Völklingen.

 

 


 

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