23. Juni 2016

Die FAKTEN. Warum wir eine allgemeine Versicherung gegen Elementarschäden brauchen, und was diese kostet?

 

Die FAKTEN. Warum wir eine allgemeine Versicherung gegen Elementarschäden brauchen, und was diese kostet? Von Thomas Lutze (MdB) - Es vergeht kaum ein Monat, wo nicht Schlagzeilen die Nachrichten beherrschen, dass Häuser, ganze Straßenzüge und Orte in Hochwasserfluten und Schlammlawinen untergehen. Die Betroffenen, deren Existenz oftmals bedroht ist, sind auf Hilfe angewiesen. Warum sind sie nicht, oder nicht ausreichend versichert? Gute Frage.
Private Versicherungskonzerne sind keine Wohltätigkeitsunternehmen. Sie kalkulieren ein Risiko und ermitteln daraus einen Preis, die Versicherungsprämie. Und sie wollen einen Gewinn machen, also mehr kassieren als sie an Schäden regulieren müssen. Der Schutz gegen Elementarschäden ist normalerweise in einer Hausversicherung mit drin. Normalerweise? Naja, oftmals sparen sich die Hausbesitzer diesen Zusatz, weil sie kein und nur ein geringes Risiko für sich sehen.
Andere Hausbesitzer wiederum sehen ihr Risiko, weil sie in einer Tallage mit Fluss- oder Bachlauf leben. Doch dieses Risiko kennt auch die Versicherungswirtschaft. Entsprechen hoch, teilweise unfinanzierbar sind hier die Versicherungsprämien gegen Elementarschulen. Oder noch schlimmer: Viele Betroffene bekommen ihre Versicherung gekündigt, weil deren Risiko für die Versicherungswirtschaft zu hoch, und damit nicht mehr kalkulierbar ist. Und dies geschieht oftmals trotz der Tatsache, dass der Versicherungsnehmer über Jahrzehnte seine Versicherungsprämie immer pünktlich gezahlt hat.
Ob nun der Klimawandel Schuld ist oder es nur heftige Wetterkapriolen sind, sei dahingestellt. Fakt ist: Immer häufiger sorgen Starkregen und orkanartige Stürme zu massiven Schäden an Gebäuden. Gerade das Frühjahr 2016 hatte es in zahlreichen Gemeinden und Ortschaften des Saarlandes in sich. Oft sind die Betroffenen nicht versichert. Die Öffentlichkeit wird dann aufgerufen zu helfen. Spendenkonten werden beworben und das Land oder die Kommunen geben etwas Geld. Oft ist es nur einen Tropfen auf den heißen (besser nassen) Stein. Ist das die Lösung? Warum sollen die klammen kommunalen Kassen private Schäden begleichen? Oder: Gibt es auch dann noch eine Spendenbereitschaft, wenn ein Hochwasserschaden das zweite oder dritte Mal hintereinander auftritt?
Ein Lösungsvorschlag: Angenommen das jährliche Schadensvolumen für Hochwasserschäden, Sturmschäden und vergleichbaren Naturkatastrophen beträgt 100 Mio. Euro pro Jahr. Das ist schon vorsichtig, also großzügig geschätzt. In der Bundesrepublik gibt es ca. 40 Mio. private Haushalte. Dann würde auf alle Haushalte eine jährliche Versicherungsprämie von 2,50 Euro, inkl. Gebühren 3,50 Euro entfallen. Einzige Bedingung ist, dass jeder Haushalt mitmacht (ja, mitmachen muss).
Ob man so eine Versicherung über die private Versicherungswirtschaft laufen lassen muss, darf bezweifelt werden. Man könnte es über die öffentlichen Banken (Sparkassen/Volksbanken) abwickeln oder den Betrag mit der bereits fälligen Grundsteuer abziehen. Bei der Variante Grundsteuer müsste nur die Anzahl der Haushalt auf dem Grundstück angegeben werden. Grundstücke ohne private Haushalten geben „0“ an und die Sache ist erledigt. Gewerbliche Immobilien sind nicht Bestandteil dieser Pflicht-Versicherung.
Sind 3,50 Euro pro Jahr nun wirklich zu viel, wenn es um die Absicherung gegen Hochwasser- und Sturmschäden geht? Eher nicht. Es wäre ein kleiner solidarischer Schritt aller für ein Risiko, das viele treffen kann.

Noch Fragen? Einfach E-Mail schreiben an thomas.lutze@bundestag.de oder www.abgeordnetenwatch.de nutzen.

 

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